PhEMO – Phänomene der Entgrenzung und Moralentwicklung bei Online-Spielern

Zur Bedeutung moralischer Argumentationsniveaus Jugendlicher im Umgang mit Entgrenzungen durch Online-Spiele


Mitarbeit

Prof. Dr. Rudolf Kammerl – Projektleitung
M.Ed. Anja Schwedler – wiss. Mitarbeit
M.A. Michaela Hauenschild – wiss. Mitarbeit
Mareike Thumel – stud. Mitarbeit
Josephiene Wäsch – stud. Mitarbeit
Julian Lee – stud. Mitarbeit


Problembeschreibung

Fast alle Online-Spiele erlauben anfangs schnelle Erfolge und sind im Grunde kostenlos. Um auch im fortgeschrittenen Spielverlauf solche Erfolge zu verzeichnen, können die Nutzer gegen Geld, Freundschaftswerbungen, Klicks auf Werbung u.ä. Boni erhalten. Online Games zeichnen sich außerdem durch zeitkritische Ereignisse aus. Die Spieler werden animiert, regelmäßig im Spiel vorbeizuschauen, so dass der Tagesablauf stark von einem Online-Spiel beeinflusst wird und Konflikte mit anderen Tagesgeschäften entstehen können.

Entgrenzungen durch digitale Medien können in mindestens drei unterschiedlichen Dimensionen beobachtet werden: zeitlich, örtlich und sozial/situativ. Die zeitliche Begrenzung der Mediennutzung wird durch persistente und global vernetzte Online-Spiele deutlich verändert. Darüber hinaus führt die zunehmende Verbreitung mobiler Endgeräte zu einer fortschreitenden Ubiquitarität digitaler Medien.

Die eigentätige Grenzziehung wird damit zu einer zentralen Herausforderung des Individuums. Insbesondere in der Adoleszenz ist dies von Relevanz. Aushandlungsprozesse zwischen Akteuren unterschiedlicher Lebensbereiche nehmen an Bedeutung zu und müssen neu gestaltet werden.


Fragestellung

Das vorliegende Projekt fokussierte sich innerhalb der Vielzahl unterschiedlicher Medienangebote auf den Bereich der Online-Spiele und bezog sich explizit auf jugendliche Nutzer. Das Ziel war, zu zeigen,

  • wie sich Entgrenzungsphänomene im Kontext der Nutzung von Online-Spielen darstellen,
  • auf welche Weise Jugendliche sich diesen gegenüber verhalten und
  • wie sie ihre Entscheidungen begründen.

Im Zentrum standen dabei die Fragen:

  • Inwiefern beeinflusst moralische Autonomie den Umgang mit Entgrenzungsphänomenen im Kontext digitaler Medien?
  • Fällt es Jugendlichen mit hohem moralischem Argumentationsniveau leichter, eigene Grenzen zu ziehen?
  • Wie wirken sich unterschiedliche Argumentationsniveaus auf iterative Aushandlungsprozesse der Grenzsetzung in den Lebensbereichen Familie, Peers und Schule aus?

Forschungsmethodik

Jugendliche Online-Spieler im Alter von zwölf bis 17 Jahren wurden in qualitativen Interviews befragt. Bei drei unterschiedlichen Dilemmata zum Thema Online-Games sollten die Jugendlichen sich für Lösungen entscheiden und diese begründen.

Die Argumentationsniveaus der Jugendlichen wurden analysiert und den Stufen der Moralentwicklung Kohlbergs zugeordnet. In einem zweiten Schritt wurden Zusammenhänge zum Umgang mit Entgrenzungen hergestellt.


Projektlaufzeit

Beginn: Oktober 2013
Ende: Frühjahr 2015


Publikationen

Kammerl, Rudolf; Hauenschild, Michaela; Schwedler, Anja (2015): Online-Spiele in der Adoleszenz. Entgrenzungsphänomene als Prüfstein für die moralische Urteilsfähigkeit. In: merz. zeitschrift für medienpädagogik. 59. Jahrgang, Heft 3. München: Kopaed, S. 37 – 42.