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Verläufe exzessiver Internetnutzung in Familien (VEIF)


Mitarbeit

Das Projekt wird von der DFG-Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.

PROJEKT-WEBSITE (EN/DE)


Problembeschreibung

Neben der medialen Öffentlichkeit widmen sich auch unterschiedlicheWissenschaftsbereiche der exzessiven Internetnutzung von Jugendlichen. Ergebnisse internationaler Studien belegen einen Zusammenhang zwischen familiärem Einfluss und exzessiver Internetnutzung im Jugendalter. Bisher fehlen aber längsschnittlich angelegte Studien, um diesen Zusammenhang genauer zu erforschen. Dementsprechend liegt der Fokus des Forschungsvorhabens auf dem Verlauf exzessiver Internetnutzung von Jugendlichen unter besonderer Berücksichtigung der Familie.


Zielsetzung

Gesellschaftlich bedarf es näherer Kenntnisse zum Verlauf des Phänomens exzessiver Internetnutzung, um geeignete Präventions-, Diagnose- und Interventionsmaßnahmen entwickeln zu können. Zur hierfür erforderlichen Grundlagenforschung wollen wir einen Beitrag leisten.
Anhand quantitativer Methoden werden über 60 Monate Daten erhoben, welche Aufschluss über das Phänomen exzessiver Internetnutzung, dessen Entwicklung und den Einfluss der Familie geben sollen.


Leitend sind folgende Fragestellungen:

  • In welchem Alter und aus welchen Gründen beginnen Jugendliche das Internet exzessiv zu  nutzen?
  • Wann nimmt dies gegebenenfalls wieder ab?
  • Welchen Einfluss nimmt die Familie auf den individuellen Entwicklungsverlauf?

Forschungmethoden

Exzessive Internetnutzung wird in Familien zu einem Problem, wenn es von den Familienmitgliedern als ein solches wahrgenommen wird. Dabei muss die Perspektive der Erziehenden/der Eltern nicht notwendigerweise von den Jugendlichen geteilt werden. Gleichzeitig entsprechen die als Problem wahrgenommenen Phänomene nicht unbedingt einer wissenschaftlichen Definition exzessiver Internetnutzung. Daher liegt der Untersuchung ein Modell zugrunde, welches die subjektive Sicht der Betroffenen (Jugendliche und Eltern) und die wissenschaftliche Perspektive auf das Problem berücksichtigt.

Untersucht wird primär eine Gruppe mit höherem Risiko für exzessive Internetnutzung. Dieses wird dann angenommen, wenn eine Mediennutzungsproblematik mindestens seitens der Erziehenden oder der Jugendlichen wahrgenommen wird. Forschungsschwerpunkte liegen auf der Untersuchung von Familienbeziehungen und –interaktionen sowie der Medienerziehung. Für die Einbindung der wissenschaftlichen Perspektive kommt ein Instrument zur Messung exzessiver Internetnutzung (YDQ) zum Einsatz. Zum Vergleich der „Problemfamilien“ mit Familien ohne jegliche Problemdefinition wird eine Kontrollgruppe hinzugezogen.

Um ausreichend hohe Fallzahlen von Jugendlichen mit exzessiver Internetnutzung insbesondere im zeitlichen Verlauf der Studie zu erreichen, wurden Jugendliche mit subjektiv wahrgenommenen Problemen in der Nutzung digitaler Medien (Computer-, Smartphone-, Internet- oder Spielekonsole) in höherem Anteil rekrutiert, als sie in der Allgemeinbevölkerung vertreten sind (sogenanntes „Oversampling“). Dazu wurden dem Erziehungsberechtigten und dem Jugendlichen vorab jeweils zwei Screening-Fragen (zur selbst wahrgenommenen Häufigkeit einer übermäßigen Nutzung digitaler Medien sowie zur Ausprägung eines problematischen Gebrauchs digitaler Medien jeweils durch den Jugendlichen) gestellt. Entsprechend der Antwortmuster wurden die Jugendlichen einer Gruppe mit höherem oder niedrigerem Risiko exzessiver Internetnutzung zugeordnet. Das Oversampling bestand dann darin, dass 70% der Jugendlichen, die rekrutiert werden sollten, aus der Gruppe mit höherem Risiko für eine exzessive Nutzung digitaler Medien stammen sollten (erreicht wurde ein Anteil von 69.1%, weitere Details bei Kammerl & Wartberg, 2018). Um dem oben genannten Modell gerecht zu werden, werden jeweils ein Jugendlicher und ein Erziehungsberechtigter (Familiendyade) befragt. Die quantitative Datenerhebung anhand standardisierter Fragebögen umfasst insgesamt sechs Wellen. Zu t1 konnten insgesamt 1095 Familien-Dyaden (2190 Personen), zu t2 985 Dyaden (1970 Personen) und zu t3 852 Dyaden (1704 Personen) befragt werden (die Panelmortalität zwischen t1 und t3 liegt dementsprechend bei 22.2%).


Projektlaufzeit

August 2015 – November 2021

 

Publikationen zu VEIF

  • Wartberg, L., Zieglmeier, M. & Kammerl, R. (2019). Accordance of Adolescent and Parental Ratings of Internet Gaming Disorder and Their Associations with Psychosocial Aspects. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 22 (4), 264-270.
  • Kammerl, R., Wartberg, L. & Zieglmeier, M. (2018). Kritische Perspektiven auf den Umfang der Internetnutzung Jugendlicher. Eine Frage der Generationszugehörig­keit? In: Niesyto, H./ Moser, H. (Hrsg.): Medienkritik im digitalen Zeitalter. Mün­chen: kopaed. 207-219.
  • Wartberg, L., Kriston, L., Zieglmeier, M., Lincoln, T. & Kammerl, R. (2018). A longitudinal study on psychosocial causes and consequences of Internet gaming disorder in adolescence. Psychological Medicine, 49 (2), 287-294.
  • Kammerl, R. & Wartberg, L. (2018). Zusammenhänge zwischen problematischer In­ternetnutzung und Medienerziehung in der Familie. In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 67 (2), 134-153.
  • Wartberg, L., Kriston, L. & Kammerl, R. (2017). Associations of Social Support, Friends Only Known Through the Internet, and Health-Related Quality of Life with Internet Gaming Disorder in Adolescence. In: Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking. 20 (7), 436-441.
  • Wartberg, L., Kriston, L., Kramer, M., Schwedler, A., Lincoln, T. M. & Kammerl, R. (2017). Internet gaming disorder in early adolescence: Associations with parental and adolescent mental health. In: European Psychiatry, 43, 14-18.