EXIF – Exzessive Internetnutzung in Familien


Mitarbeit

Prof. Dr. Rudolf Kammerl – Projektleitung
Dipl. Päd. Lena Hirschhäuser – wissenschaftliche Mitarbeit
Dipl. Soz. Moritz Rosenkranz – wissenschaftliche Mitarbeit
Dipl. Päd. Christiane Schwinge – wissenschaftliche Mitarbeit
Dipl. Päd. Sandra Hein – wissenschaftliche Mitarbeit
Dr. phil. Dipl. Psych. Lutz Wartberg – wissenschaftliche Mitarbeit
Dr. phil. Dipl. Psych. Kay Uwe Petersen – wissenschaftliche Mitarbeit
Nils Dargel – studentische Mitarbeit
Kathrin Joswig – studentische Mitarbeit
Anja Schwedler – studentische Mitarbeit
Nina Hürter – studentische Mitarbeit
Michaela Hauenschild – studentische Mitarbeit
Ulrike Braun – studentische Mitarbeit

Dieses Projekt wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).


Problembeschreibung

In einigen Familien kommt es aufgrund ausufernder Mediennutzung der Jugendlichen regelmäßig zu Streitereien und Konflikten. Diese stellen meist eine hohe Belastung für die Familienmitglieder dar.

Eltern sind besorgt, weil ihre Kinder stundenlang in digitalen Welten verschwinden und nicht mehr ansprechbar sind. Sie vernachlässigen schulische Verpflichtungen, soziale Kontakte sowie früher geliebte Freizeitbeschäftigungen.

Die Fokussierung von Heranwachsenden auf die Computer- oder Internetnutzung lässt Entwicklungsrisiken befürchten. Oftmals ist in diesem Kontext die Rede von einem süchtigen oder suchtähnlichen Verhalten.


Zielsetzung

Der exzessive Gebrauch von Medien wird in Anlehnung an die Suchtdiagnose (kriteriengeleitet nach ICD-10, DSM-IV-TR) aktuell vor allem aus klinischer Perspektive erforscht.

Anfragen von Eltern und Lehrern in Beratungsstellen und Hilfeinstitutionen weisen jedoch in eine andere Richtung: In diesen Fällen wird die exzessive Computer- oder Internetnutzung zu einem manifesten familialen Problem, bei dem Beratungs- und Unterstützungsbedarf besteht. Ein Großteil dieser Fälle ist aber nicht-klinischer Natur, sondern verweist auf (medien)erzieherische Herausforderungen.

Daher war es das Ziel dieses Forschungsprojekts, die Zusammenhänge zwischen exzessiver Computer- und Internetnutzung und familialer Interaktion zu erfassen.


Fragestellung

 

Familiale Strukturen üben sowohl positiven als auch negativen Einfluss auf das Medienverhalten des Heranwachsenden aus. Demnach können sie auch der Grund für extreme Verhaltensweisen wie die exzessive Computer- und Internetnutzung sein.

Gleichzeitig haben Familien aber auch ein hohes Potential zur Regulierung von individuellen und interpersonalen Problemlagen.

Es stellen sich daher folgende Forschungsfragen:

  • Welche familialen Situationen können eine exzessive Mediennutzung verstärken?
  • Wie kann das Potential zur Regulierung des Problems aktiviert werden, um zur Lösung einer schwierigen Situation beizutragen?

Forschungsmethoden

Das Forschungsprojekt setzte sich aus drei Forschungsmodulen zusammen , wobei qualitative und quantitative Methoden trianguliert wurden.

  • Zunächst wurden Experten befragt, die in Therapie- oder Beratungseinrichtungen mit betroffenen Jugendlichen und deren Eltern arbeiten.
  • Außerdem wurden an Hand von Gruppendiskussionen die Problemwahrnehmungen der Eltern und Jugendlichen erhoben.
  • Unter Einbeziehung der Erkenntnisse der vorausgegangenen Module wurden standardisierte Fragebögen entwickelt. Diese wurden im dritten Modul  bundesweit in einer repräsentativen Stichprobe von 1744 Jugendlichen und jeweils einem dazugehörigen Elternteil eingesetzt.

Aus den Erhebungen wurden sowohl Erkenntnisse für die belasteten Familien als auch für die professionell Tätigen gewonnen.


Ergebnisse der Studie

Seit März 2012 können Sie die Ergebnisse der Studie in dem Bericht „Exzessive Internetnutzung in Familien“ nachlesen sowie das Befragungsmaterial einsehen.

Seit Dezember 2012 ist das Buch zur Studie erhältlich:

EXIF – Exzessive Internetnutzung in Familien.
Zusammenhänge zwischen der exzessiven Computer- und Internetnutzung Jugendlicher und dem (medien)erzieherischen Handeln in den Familien
Kammerl, Rudolf; Hirschäuser, Lena; Rosenkranz, Moritz; Schwinge, Christiane; Hein, Sandra; Wartberg, Lutz; Petersen, Kay-Uwe (Hrsg.)

2012, 196 Seiten, ISBN 978-3-89967-832-1
Preis: 20,00 €

 


weitere Publikationtn zum Thema

Wartberg, Lutz/Kriston, Levente/Kammerl, Rudolf/Petersen, Kay-Uwe/Thomasius, Rainer (2015): Prevalence of pathological internet use in a representative German sample of adolescents: Results of a latent profile analysis. In: Psychopathology, H. 1, Jg. 48, S. 25-30.

Wartberg, Lutz/Kammerl, Rudolf/Bröning, Sonja et al. (2015): Gender-related consequences of Internet use perceived by parents in a representative quota sample of adolescents. In: Behaviour & Information Technology, H. 4, Jg. 34, S. 341-348.

Wartberg, Lutz/Petersen, Kai Uwe/Kammerl, Rudolf et al. (2014): Psychometric Validation of a German Version of the Compulsive Internet Use Scale. In: Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, H. 2, Jg. 17, S. 99-103.

Wartberg, Lutz/Kammerl, Rudolf/Rosenkranz, Moritz et al. (2014): The Interdependence of Family Functioning and Problematic Internet Use in a Representative Quota Sample of Adolescents. In: Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, H. 1, Jg. 17, S. 14-18.

Braun, Ulrike (2013): Exzessive Internetnutzung Jugendlicher im familialen Kontext. Analysen zu Sozialschicht, Familienklima und elterlichem Erwerbsstatus. Wiesbaden: Springer VS.

Kammerl, Rudolf (2013): Machen Medien süchtig? – Perspektiven auf das Phänomen „Exzessive Mediennutzung im Jugendalter“. In: merz – Medien + Erziehung, H.4, Jg. 57, S. 12-17.

Kammerl, Rudolf (2013): Exzessiver Mediennutzung mit Jugendlichen aktiv und kreativ begegnen. In: Lauffer, J./Röllecke, R. (Hrsg.), Aktiv und kreativ medialen Risiken begegnen.
Dieter-Baacke-Handbuch 8. kopaed Verlag: München. S. 19-25.

Kammerl, Rudolf (2013): Suchtgefahr bei Online-Games? In: Friedrichs, H./Junge, T./Sanders, U. (Hrsg.), Jugendmedienschutz in Deutschland. VS Verlag: Wiesbaden. S. 315-322.

Kammerl, Rudolf (2013): Exkurs: Exzessive Mediennutzung. In: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.), Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche. Eine Bestandsaufnahme. Berlin. S. 65-70.

Rosenkranz, Moritz/Kammerl, Rudolf et al. (2013): Risikofaktoren für Probleme mit exzessiver Computer- und Internetnutzung von 14- bis 17jährigen Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse einer deutschlandweiten Repräsentativerhebung. In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung. Heft 1-13, S. 87-103.

Kammerl, Rudolf (2012): Mediennutzung im Familienalltag: Fokus Computerspiele. In: Computer + Unterricht, H.88, S. 18.

Kammerl, Rudolf/Hein, Sandra/Hirschhäuser,Lena/Rosenkranz,Moritz/ Schwinge, Christiane/Wartberg Lutz (2012): Exzessive Internetnutzung in Familien. In: Modelle, Dokumente, Analysen – MDA, S. 17-22.

Hirschhäuser, Lena/ Rosenkranz, Moritz (2012): Exzessive Internetnutzung in Familien In: tv diskurs, H.4, Jg. 16, S. 14-19.

Kammerl, Rudolf (2012): Exzessive Mediennutzung. Erziehungsproblem und/oder Suchtgefahr? In: proJugend 3-12, S. 4-8.

Kammerl, Rudolf et al. (2012): Eine Frage der Perspektive? Zur Wahrnehmung zeitlich überdurchschnittlicher Computer- und Internetnutzung Jugendlicher in deren Familien. In: Inan, A. (Hrsg.): Jugendliche Lebenswelten in der Mediengesellschaft. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag, S. 13-28.

Kammerl, Rudolf/Hirschhäuser, Lena (2011): Elterliche Befürchtungen und Beobachtungen exzessiver Mediennutzung von Jugendlichen aus Expertenperspektive. In: medien + erziehung merz wissenschaft, Heft 6/2011, S.47-57.

Kammerl, Rudolf/Hirschhäuser, Lena/Schwinge, Christiane (2011): Zwischen exzessivem und pathologischem Medienkonsum. Perspektiven auf problematische Computer- und Internetnutzungsweisen Jugendlicher. In: Computer und Unterricht, H.4 „jugend+medien: spezial“, S. 39-42.

Kammerl, Rudolf/Hein, Sandra (2010): Exzessive Computer- und Internetnutzung Jugendlicher – Eine medienerzieherische Herausforderung für Familien? In: TV Diskurs, Bd. 43, Jg.14, S. 50-53.

Kammerl, Rudolf (zusammen mit AK Enter – Control – Escape) (2010): Computerspielnutzung als Herausforderung und Aufgabe der Suchtprävention und Medienpädagogik. In: Gaugin, S. / Hoffmann, B. (Hrsg.): Digitale Spielkultur. Bielefeld. S. 21-27.

Kammerl, Rudolf (2009): Du bist doch schon süchtig! – Aktuelle Befunde und Fragestellungen zu „Mediensucht“ aus medienpädagogischer Sicht. In: Grampp, S./Meier, D./Rühr, S. (Hrsg.):Medien außer Kontrolle. Universität Erlangen-Nürnberg. S. 91-106.


Projektlaufzeit

Beginn: 1. Oktober 2010
Ende: 29. Februar 2012